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Thomas Stipsits hat sich vor kurzem in einem Interview mit Claudia Stöckl konfliktscheu bezeichnet. Als Randnotiz, wer die Geschichte von Thomas Stipsits nicht kennt: Er ist ein toller Entertainer, ich selbst habe ihn viele Male auf der Bühne erlebt und Tränen gelacht. Nach außen ein stets gut gelaunter, aufgeweckter, lustiger und vor Kraft strotzender Kerl. In den letzten Monaten hat er aufgrund eines Burnouts und Panikattacken pausiert und sich in Therapie begeben.

Was macht es mit uns, wenn wir Konflikten aus dem Weg gehen, wenn wir konfliktscheu sind? Wenn wir es nicht ansprechen, wenn uns jemand verletzt? Wenn wir darüber hinwegsehen, wenn über uns hinweggesehen wird? Wenn wir uns ignoriert fühlen? Wenn uns etwas vorgeworfen wird, das aus unserer Sicht nicht stimmt?

Anfangs vielleicht nicht viel. Man schluckt mal dieses oder jenes hinunter. Sieht darüber hinweg. Denkt sich, das wird der andere schon nicht so gemeint haben.

Brenzlig wird es dann, wenn sich diese Situationen häufen. Wenn wir viele Male verletzt oder ignoriert werden und der Satz, dass es der andere wohl nicht so gemeint hat, nicht mehr wirkt. Man wird wütend oder stocksauer. Jedes Mal, wenn sich der andere so verhält, brodelt es in uns.

Oder wir werden immer trauriger. Und plötzlich reagieren wir bereits auf jede noch so kleine Verletzung. Da kann schon ein falsches Wort den Vulkan zum Ausbruch bringen. Aber da wir ja konfliktscheu sind und den Frieden wahren wollen, sagen wir noch immer nichts.

„Wenn Du einen Konflikt vermeidest, um den Frieden zu wahren, beginnst Du einen Krieg in Dir selbst.“ (Unbekannt)

Der Spalt zwischen dem anderen und uns wird größer. Es gibt immer mehr Unstimmigkeiten. Der Unmut wächst. Wenn dies bei vielen Menschen, in vielen Bereichen, in vielen Situationen vorkommt, richten wir massiven Schaden in uns selbst an. Der Krieg, den wir in uns selbst führen, kann sich in starker Unzufriedenheit, einem Burnout, in einer Depression oder psychosomatischen Beschwerden zeigen.

Aufzustehen und zu sagen, dass uns etwas nicht passt oder dass wir uns durch das Verhalten des anderen verletzt fühlen, benötigt eine Portion Selbstachtung und Mut. Es braucht die Kraft, für sich selbst einzustehen.

Zu sich zu stehen.

Seine Bedürfnisse zu erkennen.

Offen mit einer Verletzung umzugehen.

Und eine gewisse Standhaftigkeit, wenn der andere die Situation anders einschätzt als wir. Aber es kann sehr befreiend sein, Themen konkret anzusprechen, die uns stören – wenn wir wertschätzend miteinander umgehen und ehrlich zu unseren Gefühlen stehen.

Denn die Frage ist: bin ich lieber ständig in Frieden mit allen anderen oder doch lieber zuerst einmal mit mir selbst?

Klara Hanstein – Für Kopf und Herz

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