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Wenn jemand offen etwas an uns kritisiert, ist es für jeden völlig logisch, dass wir uns angegriffen fühlen und wir uns in den meisten Fällen dagegen wehren oder für Aufklärung sorgen oder streiten.

Wenn wir etwas (zu) persönlich nehmen, hat es weniger mit offen geäußerter Kritik zu tun, sondern wir interpretieren das Verhalten oder die Worte des anderen als gegen uns gerichtet. Häufig führt dies nicht zu einem ausgetragenen Konflikt, sondern wir fühlen uns verletzt oder enttäuscht oder unverstanden. Oft sprechen wir das Thema nicht an, sondern versuchen selbst damit zurechtzukommen.

Doch warum nehmen wir Dinge persönlich?

Wir nehmen Dinge persönlich, wenn wir die Worte oder das Verhalten des anderen zu sehr auf uns selbst beziehen und zu nahe an uns heranlassen. Eine Freundin, die nur kurz und knapp auf unsere Nachricht antwortet. Der Nachbar, der sich gleich wegdreht, als er uns sieht. Ein blöder Kommentar von einem Freund. Der Chef, der uns beim Meeting ignoriert.

Zack und sofort zweifeln wir an uns selbst. Hab ich irgendetwas geschrieben, das die Freundin verärgert hat? War die Musik gestern zu laut und hat den Nachbarn gestört? Steh ich schon auf der Kündigungsliste? Und schon starten die Grübeleien.

Meist hat aber das Verhalten des anderen viel weniger mit uns zu tun, als wir glauben. Und ehrlich gesagt ist dieses Dinge-persönlich-nehmen auch ziemlich anstrengend, oder nicht?

Was also tun?

Step 1: Scheiß-drauf-Einstellung zulegen

Meiner Meinung nach hilft es, sich eine gesunde „Scheiß-drauf-Einstellung“ zuzulegen. Du kannst sofort damit beginnen. Jedes Mal, wenn Du ein Verhalten des anderen persönlich nimmst, denkst Du Dir ab jetzt „Scheiß-drauf“. Ich merke dann sofort, wie mein Gehirn aufhört, zu viele grüblerische Gedanken dazu zu produzieren. Zusätzlich denke ich mir dann noch: Wenn der andere ein Problem mit mir hat, soll er es selbst ansprechen. Ich bin nicht dazu da, die Gedanken der anderen zu lesen. Also: Scheiß drauf!

Step 2: Sprich es an.

Wenn Dich das Verhalten oder die Worte des anderen wirklich stören, dann sprich es an. Da gehört etwas Übung und Mut dazu, weil wir meist etwas sprachlos sind, wenn wir uns verletzt oder angegriffen fühlen. Leg Dir 1 bis 2 Sätze zurecht, die Du in solchen Situationen sagen oder fragen kannst. Wenn es zum Beispiel um einen komischen Kommentar geht, den Du zu persönlich nimmst, kannst Du fragen: „Wie hast Du das nochmal gemeint?“ Und wenn Du schon einen Schritt weiter bist, kannst Du sogar sagen: „Das hat mich jetzt verletzt. Können wir da nochmal drüber sprechen?“

Step 3: Es hat nichts mit mir zu tun.

Meist hat das Verhalten des anderen viel mehr mit ihm selbst, als mit Dir zu tun. Wenn meine Schwester und ich uns gegenseitig erzählen, dass uns jemand verärgert hat, sagt meist dann eine zur anderen: „Schau mal, vielleicht hat ihn gestern seine Frau verlassen, weil sie einen Jüngeren hat, er musste im Auto übernachten, sie hat ihm das Bankkonto gesperrt, morgens ist das Auto nicht angesprungen und er konnte nicht duschen.“ Je nach Verärgerungsgrad werden noch mehr Überlegungen vom Drama im Leben des anderen dazugedichtet. Und dann lachen wir schon wieder los. Was ich damit sagen will, ist, dass Kopfweh, ein Paarkonflikt, Geldprobleme etc. Menschen auch dazu bringen können, dass sie nicht nett sind und dies an uns auslassen. Manchmal hilft schon alleine dieser Gedanke, um Dinge weniger persönlich zu nehmen.

Step 4: Sprich darüber.

Friss es nicht hinein. Sprich mit jemandem darüber. Wenn es nicht möglich ist, das Thema mit der Person selbst auf den Tisch zu bringen, dann tut es gut, mit jemand Außenstehenden darüber zu sprechen, um einen anderen Blickwinkel darauf zu bekommen.

Step 5: Distanziere Dich.

Wenn wir etwas zu persönlich nehmen, etwas zu nahe an uns heranlassen, ist diese Sache räumlich betrachtet zu nahe bei uns. Manchmal hilft es, die Worte oder das Verhalten des anderen nochmals pragmatischer zu betrachten. Das heißt, das Emotionale etwas beiseite zu schieben und zu überlegen: Gibt es noch andere Interpretationen des Gesagten? Kann man das Verhalten des anderen noch anders bewerten? Könnte der Kommentar auch anders gemeint gewesen sein? Dadurch gewinnen wir Abstand und es ist nicht mehr ganz so nahe bei uns und somit auch nicht mehr so verletzend.   

Step 6: Ich bin okay.

Oft nehmen Menschen, die ohnehin einen geringeren Selbstwert haben, Dinge persönlicher als andere. Sie zweifeln eher an sich und wollen immer alles richtig machen. Blöde Kommentare oder ein verletzendes Verhalten lassen sie noch mehr an sich zweifeln. Hier ist es wichtig, Deinem Selbstbewusstsein wieder auf die Sprünge zu helfen. Sätze wie „Auch wenn der andere eine doofe Bemerkung gemacht hat, mag ich mich trotzdem.“ oder „Auch wenn ich die Freundin verärgert habe, bin ich okay.“ können hier helfen. Geh liebevoll mit Dir um. 

Step 7: Mach Dich locker.

Keine Verletzung dauert ewig. Und zum Glück vergisst unser Gehirn auch viele Dinge wieder relativ schnell. Manchmal blasen wir gewisse Dinge auch zu sehr auf. Mach Dich locker. Und nimm Dir mal einen Tag vor: Heute nehm‘ ich nichts persönlich! Scheiß drauf! Viel Spaß dabei!

Klara Hanstein – Für Kopf und Herz

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