Was gibt Dir Deine Hoffnung zurück?

In der Zeit meiner Ängste und Panikattacken war eine Sache verloren gegangen: die Hoffnung. Wenn man tagein tagaus mit Ängsten kämpft, von den eigenen Gedanken Tag um Tag gequält wird und die Reaktionen des Körpers schon ewige Zeiten furchteinflößend sind, dann weiß man nicht weiter. 
Man verliert die Kraft.
Die Motivation am nächsten Tag wieder an sich zu arbeiten verabschiedet sich. 
Den Glauben daran, dass es irgendwann besser wird, hat man längst vergraben.

So ging es zumindest mir.
Irgendwann saß ich da und sagte mir: Okay, dann ist das scheinbar jetzt mein Leben. Dann lebe ich eben nun dieses Leben. Mit all seinen Einschränkungen. Mit all diesen Gefühlen, die mich täglich überfallen. Dann lebe ich eben nun mit dieser täglichen Angst.
Und so komisch sich das anhören mag, irgendwie fühlte es sich sogar befreiend an, endlich diesen Kampf aufzugeben. Endlich nicht mehr Widerstand zu leisten. Endlich nicht mehr hoffen, dass es morgen durch Zauberhand besser geworden ist. Endlich loslassen. 

Das waren die Phasen während meiner Angsterkrankung, in denen ich mich zurückzog. In denen ich nichts mehr versuchte. In denen ich keine Bücher mehr las, um einen neuen Ansatz zu finden. In denen ich Termine bei Experten absagte, die mich nicht mehr weiterbrachten. 

Aber nein, es war keine Resignation.
Auch wenn sich das so anhören mag. 
Es war ein Luft holen.
Es war ein Kräfte sammeln.
Es war ein Klarheit finden.
Es war ein Kopf auslüften.
Es war radikale Akzeptanz.

Vielleicht kennst Du das auch von Dir, wenn Du eine Situation, einen Zustand völlig akzeptierst, dass sich plötzlich sowas wie innere Ruhe, ein tiefer innerer Frieden breit macht. 

Wie wenn Du einen Stein in ein stehendes, ruhiges Gewässer schmeißt und anfangs schwappen die Wellen über und ziehen ihre Kreise. Bis die Oberfläche wieder glatter und glatter wird. Ruhiger und ruhiger. Um dann wieder in ihre völlige Ruhe zurückzukehren.

Und so ist das auch in meinem Inneren geschehen.
Durch die Akzeptanz wurde es ruhiger und ruhiger.
Klarer und klarer.
Und Du wirst es nicht glauben, was dann aufgetaucht ist:
Die Hoffnung.

Wie ein zartes Pflänzchen hat sie ihre Blätter ausgebreitet und ließ ihre Knospen erblühen. 
Plötzlich kamen wieder die Ideen, welche Richtung ich bei der Angstbewältigung einschlagen mag.
Und ich fühlte mich gestärkt und erholt.
Die Motivation lugte langsam hervor.
Und ich setze wieder kleine Schritte.
Manche waren hilfreich. Manche weniger.
Doch das machte nichts. 
Die Hoffnung war da. 
Wie eine helfende Hand, wenn man am Boden liegt.
Oder eine unsichtbare Stärke, die von hinten mutmachende Worte ins Ohr flüstert, wenn man zweifelt.

Wenn die Hoffnung wieder da war, dann ließ mich das aufatmen.
Die Tage wurden wieder heller und schienen schaffbarer.
Und manchmal braucht es davor Rückzug, Nichtstun, Akzeptanz. 

Was gibt Dir Deine Hoffnung zurück?

Wir schaffen das. 💚

Deine Klara

Verabschiede Dich vom Schwarz-Weiß-Denken!

Unter Ängsten und Panikattacken zu leiden ist wie ständig auf der Bremse zu stehen. Eigentlich möchte man, aber man kann nicht. Warum?

Viele Betroffene haben einen Entschluss dieser Art gefasst:

Wenn ich die Ängste dann überwunden habe, dann genieße ich mein Leben.
Wenn ich keine Panikattacken mehr habe, besuche ich meine Freundin.
Wenn mich die Ängste nicht mehr plagen, reise ich endlich wieder.
Wenn ich überhaupt keine Panikgefühle mehr habe, sage ich dem Chef die Meinung.
Wenn ich gar nicht mehr an die Angst denke, gehe ich wieder auf das Konzert.

Man lebt also nach der Devise: Alles oder nichts.
Oder anders gesagt: Man hängt im Schwarz-Weiß-Denken fest. 

Warum ist das so?
Viele Betroffene haben wahrscheinlich schon einige Versuche unternommen, sich Angst-Situationen zu stellen und sind von der Wucht der Angst überrollt worden. Entweder man tritt dann sofort den Rückzug an und flüchtet aus der Situation oder man steht sie schweißgebadet irgendwie durch und hat danach noch mehr Angst als vorher. In beiden Fällen ist die Konsequenz klar: “Nie mehr wieder!” Und dadurch kommt es zu diesen Entschlüssen wie oben beschrieben.

Und ich kann das gut nachvollziehen. Während meiner Angstbewältigung gab es auch einen Punkt, an dem ich mir sagte: “Es reicht! Ich kann und will diese Situationen nicht mehr haben. Ich bleibe lieber daheim.”
Und ganz ehrlich: Für eine gewisse Zeit kann das auch sinnvoll sein, wenn das Nervensystem so aufgewühlt und dys-reguliert ist, dass es einmal eine gewisse Zeit braucht, um wieder herunterzufahren.

ABER: Dann dürfen wir uns wieder aus unserer selbst gebauten Höhle herauswagen und unser Schwarz-Weiß-Denken (Schritt für Schritt) aufgeben.

Warum ist das wichtig?

Unser Gehirn lernt durch neue Erfahrungen.
Mit der Zeit bin ich auf den Haken draufgekommen, den mein Entschluss, lieber zuhause zu bleiben und darauf zu warten, dass die Angststörung vorbeigeht und erst dann wieder hinauszugehen, hatte: Die Ängste wurden nicht kleiner.
Uff, das war eine harte Erkenntnis.
Wenn ich im Supermarkt, beim Autofahren, im Restaurant, beim Spaziergang, etc. keine Angst mehr haben wollte, musste ich das meinem Gehirn in GENAU DIESEN SITUATIONEN beibringen. Ojeoje, ich dachte, das ginge auch von zuhause – leider nicht!

Also habe ich folgende neue Entschlüsse gefasst:

Es darf auch mal mit Angst sein

Genau, es darf auch mal mit Angst sein. Das nimmt enorm viel Druck aus der Sache. Ja, da wird Angst sein, wenn ich das versuche. Ja, da werden unangenehme Gefühle sein. Ja, das wird sich anfangs nicht toll anfühlen und ja, ich hab echt eine Sch***-Angst davor. Aber wenn ich mir mein Leben zurückholen will, dann werde ich um diesen Weg nicht drumherum kommen. Was uns schon zum nächsten neuen Entschluss führt:

Es darf mit kleinen Schritten sein

Wenn ich eine Sache gelernt habe, dann, dass sich unser Nervensystem nicht drängen und zwingen lässt (leider dachte ich das lange). Ich übte also sehr verbissen, konfrontierte mich am laufenden Band mit Angst-Situationen und hielt sie irgendwie durch, auch wenn die Angst einfach nicht kleiner wurde. Meine Idee: Wenn ich mein Nervensystem “mit Gewalt” an diese Situationen gewöhne, wird es irgendwann schon verstehen, dass hier alles okay ist. Weit gefehlt. 
“Mach langsam, aber mach was!”, wurde meine Devise. Du darfst Dir also Zeit lassen, darfst kleine Schritte gehen, darfst Pausen machen und dann wieder weitermachen. Und mein letzter Entschluss:

Darf’s es bisschen hellgrau sein, vielleicht mit Glitzer?

Wenn wir uns im Schwarz-Weiß-Denken bewegen, dann idealisieren wir das “Weiß”, wenn wir dorthin möchten und verteufeln das “Schwarz”. Wir machen also unser ganzes Leben, den Lebenssinn, die Lebensfreude davon abhängig, endlich zu diesem “Weiß” zu kommen. Vorher ist es einfach nur “Schwarz”, in unseren Augen also schlecht. Weißt Du, was wir dann verpassen, wenn wir nur auf das “Weiß” starren, das wir noch nicht erreicht haben?
Das Dazwischen.
Und weißt Du, was das ist?
Dein Leben. 
Ich habe mir bei diesem Entschluss die Frage gestellt, wie ich mein Leben “dazwischen” gestalten möchte – wenn ich eben noch nicht bei “Weiß” angekommen bin und das vielleicht auch in den nächsten Monaten noch nicht schaffen werde.
Welche Zwischentöne gibt es, die mir auch gefallen?
Ein schönes Grau mit Glitzer?
Ein ruhiges Hellgrau mit Sprenkel?
Wir wissen, dass das nur eine Metapher ist, aber ich möchte Dir damit sagen, dass ich weiß, dass es ein Dazwischen gibt!! Und auch im Dazwischen ist unser Leben lebenswert. Aber die Frage ist, wie Du es gestaltest.

Und nun stelle ich Dir die Frage:
Wieviel Leichtigkeit, Lebensfreude und Lebendigkeit kannst Du JETZT HEUTE in Deinen Alltag bringen? Aber Vorsicht: Denk nicht in Weiß und Schwarz, dass Du diese erst in Dein Leben zurückholen kannst, wenn es Dir wieder ganz gut geht. 
Die Frage, die sich für mich eher stellt, ist, wieviel schöne Momente kannst Du JETZT in den Zwischentönen (Du weißt schon: hellgrau mit Glitzer) erzeugen? (Pssst, ein kleines Geheimnis: Wenn Du lernst, am Dazwischen zu arbeiten und schöne Momente erzeugst, wird Dir das dabei helfen, einen Schritt weiter zu “Weiß” zu gehen.)

Wir schaffen das. 💚

Deine Klara

Mach Platz in Deinem Kopf! – Lass uns gemeinsam entrümpeln

Ausmisten fühlt sich richtig gut an – ein befreiendes Gefühl altes, überflüssiges “Zeug” loszuwerden. Plötzlich sieht man Dinge, die unter dem riesen Stapel verborgen waren. Entrümpeln – Das tut ab und an dem Kleiderkasten, Kellerabteil gut, aber auch im Kopf kannst Du ein bisschen Platz machen.

Vielleicht geht´s Dir wie vielen und Du fühlst Dich oft überfordert von den vielen Gedanken, die ständig in Deinem Kopf kreisen? Es schleicht sich nach und nach das Gefühl ein, dass der Geist nie zur Ruhe kommt und Dich das davon abhält, klar zu denken oder zum Beispiel produktiv zu sein in einer bestimmten Sache?

Dann ist es Zeit, Platz in Deinem Kopf zu schaffen! Aber wie klappt das denn genau?

Zunächst einmal:

Was bedeutet mentale Entrümpelung?

Mentale Entrümpelung bedeutet, bewusste Entscheidungen darüber zu treffen, welche Gedanken und Informationen Du in Deinem Kopf behalten möchtest und welche Du loslassen kannst. Es geht darum, unnötigen Ballast abzuwerfen und Deinen Geist quasi ein bisschen zu organisieren, ähnlich wie Du es mit Deinem physischen Raum (z.B. Ankleideraum) tun würdest.

Warum ist mentale Entrümpelung wichtig?

Ein überladener Geist kann zu Stress, Angst und Erschöpfung führen. Wenn wir ständig von unseren Gedanken überwältigt werden, finden wir es schwer, uns zu konzentrieren, kreative Lösungen zu finden und inneren Frieden zu finden. Ganz klar, wenn ich ständig im Gedankenkarussell festhänge, finde ich innerlich einfach nicht zu Ruhe. Das ist Fakt.

Wenn Du ein bisschen Platz in Deinem Kopf schaffst, kannst Du…

➡️ Klarheit und Fokus neu gewinnen

➡️ Stress und Angst ein wenig reduzieren

➡️ Produktivität und Kreativität steigern

➡️ Emotionales Wohlbefinden fördern

Lass uns ein Experiment starten….

1) Entlarve Grübel-Gedanken:

Beginne damit, Dir Deiner Gedanken bewusst zu werden. Oft ist uns selbst gar nicht klar, in welchen Grübelschleifen wir schon wieder Achterbahn fahren. Die schleichen sich einfach nach und nach ein. Manchmal bemerken wir dann eine innere Unruhe oder Unkonzentriertheit oder schlechte Laune. Meistens schwirren wir mit unseren Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft herum.
Es kann helfen, kurz innezuhalten und uns ins Hier und Jetzt zurückzuholen, in den gegenwärtigen Moment. Du kannst Dich fragen: Ist es JETZT GERADE wirklich ein Problem? Oft entdecken wir, dass wir über Dinge nachdenken, die schon geschehen sind und wir nicht ändern können oder Sachen, die noch nicht eingetreten sind und auf die wir keinen Einfluss haben.

2) Lerne zu unterscheiden:

Unterscheide zwischen hilfreichen und kontraproduktiven Gedanken. Frage Dich: “Hilft mir dieser Gedanke gerade weiter?”, “Tut er mir gut?” und “Kann ich jetzt etwas gegen dieses Problem tun?”. Wenn nicht, lass ihn los. Er darf weiterziehen. Und dann frag Dich: Welche Gedanken würden mir jetzt gut tun? Womit möchte ich mich beschäftigen? Welches Thema löst gute Gefühle in mir aus? Und dann tauche in dieses Thema ein. Das braucht etwas Übung, aber wir können tatsächlich lernen, unsere Gedanken zu führen.

3) Konzentriere Dich auf den Moment:

Achtsamkeit hilft Dir, im gegenwärtigen Moment zu bleiben und nicht in negativen Gedankenschleifen herumzuirren. Meditation, Atemübungen und achtsames Gehen sind hervorragende Techniken, um das zu fördern. Im Alltag kannst Du Dich auch einfach sehr genau darauf konzentrieren, was Du gerade im Moment tust, und sei es auch das Staubsaugen oder die Gartenarbeit.
Ich richte dann meine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf die eine Sache, die ich gerade mache, und versuche, nicht abzuschweifen. Dabei konzentriere ich mich auf Details, die mir sonst vielleicht gar nicht auffallen und dabei nutze ich all meine Sinneskanäle: Ich bemerke dann, wie sich etwas anfühlt oder was ich dabei höre. 

4) Informations-Detox:

In unserer digital vernetzten Welt werden wir ständig mit Informationen bombardiert. Oft nehmen wir gar nicht mehr wahr, was alles auf uns einprasselt, aber oft bemerken wir, dass unsere Stimmung schnell wechselt, je nachdem, womit wir konfrontiert werden. Setze bewusste Grenzen, indem Du Zeiten ohne digitale Geräte einplanst und den Fokus auf Dinge richtest, die Dir gut tun.

5) Führe regelmäßig mentale Pausen ein:

Plane bewusst Zeiten ein, in denen Du Deinen Geist entspannen kannst. Das kann durch kurze Spaziergänge, Hobbys oder einfaches Nichtstun, etc. geschehen. Du kannst Dir z.B. eine kleine Erinnerung einrichten, wie einen Wecker, der Dich jede Stunde daran erinnert, dass Du Deinen Geist entspannen darfst. Ich blicke dann oft von meinem Schreibtisch aus dem Fenster und beobachte die Vögel, die im Baum sitzen oder den Baumwipfel, der sich im Wind bewegt. Ich beobachte, ohne zu bewerten. Dabei merke ich häufig, dass ich gar nichts denke. Und es tut so gut.

6) Übe Dankbarkeit:

Dich auf positive Aspekte Deines Lebens zu konzentrieren, kann helfen, negativen Gedanken den Wind aus den Segeln zu nehmen. Also heben wir die guten Gedanken und Dinge hervor: Ich führe z.B. ein Dankbarkeitstagebuch und notiere (zwar recht unregelmäßig) Dinge, für die ich dankbar bin. Und ganz wichtig: Lass Dir dabei Zeit und spüre bei den Dingen nach, für die Du dankbar bist. Dankbarkeit soll nicht nur im Kopf stattfinden, sondern wir dürfen das wohltuende Gefühl in uns fühlen, wenn wir dankbar sind – das verstärkt den Effekt. Ich habe vor kurzem wo gelesen, wenn wir ein Dankbarkeitstagebuch abends führen, dann richten wir untertags schon die Aufmerksamkeit auf Dinge, für die wir dankbar sind – damit wir abends etwas zu schreiben haben. Irgendwie cool! 

Mentale Entrümpelung braucht ein bisschen Zeit und Übung. Es geht nicht darum, alle Gedanken zu kontrollieren, sondern, eine gesunde Balance zu finden und in Deinem Kopf ein bisschen Platz zu schaffen:

Platz für Neues, Platz für Schönes, Platz für Wohltuendes oder auch Platz, um einfach einmal nichts zu denken. Und das ist gar nicht so leicht. Aber Du weißt ja:

Wir schaffen das. 💚

Deine Klara

Innere Unruhe und Schlafstörungen

Vor kurzem hatte ich einige Telefonate mit einer Freundin, der es im Moment nicht so gut geht. Das erste Mal telefoniert haben wir vor etwa einem halben Jahr. Sie hat im Job einen Karriere-Sprung gemacht und plötzlich sehr viel Verantwortung – darauf hat sie viele Jahre hingearbeitet und es war ihr großer Traum. Eigentlich sollte alles wunderbar sein, oder etwa nicht?

Als sie mich anrief, erzählte sie mir, dass sie jeden Tag, besonders abends, eine starke innere Unruhe verspüre, Herzrasen bekomme und schlecht schlafe. Die Gedanken rasen. Es sei alles zu viel. Die Aufgaben im Job werden immer mehr, sie scheinen unbewältigbar. Wenn eine Aufgabe erledigt ist, haben sich in der Zwischenzeit fünf weitere angehäuft. Die Kollegen sind wenig Hilfe, die ziehen sich seit der Beförderung eigentlich immer weiter zurück. In der Familie gibt es gerade Schwierigkeiten, weil es einem Familienmitglied sehr schlecht geht und meine Freundin Arzt-Termine und Einkäufe organisieren muss. 

Die Frage meiner Freundin war: Klara, weißt Du irgendetwas Pflanzliches, das ich gegen diese innere Unruhe nehmen kann, damit ich wieder schlafen kann?

Ich kann diese Frage sehr gut verstehen, denn wir wünschen uns “die eine Pille”, die das Problem löst. Aber tut sie das?

Ich würde eher die Frage stellen: Warum kommt es zu diesen Unruhezuständen? Und wo muss man ansetzen, um das Problem bei der Wurzel zu packen?

Meine Antwort war: Dein Nervensystem scheint unter Dauer-Anspannung zu stehen. Da prasseln beruflich und privat so viele Anforderungen auf Dich herein und Dein Nervensystem schafft es nicht mehr, diese auszubalancieren. Untertags kriegen wir oft gar nicht so viel davon mit, weil wir selbst sehr aktiv sind, aber abends, wenn wir zur Ruhe kommen sollten, fährt das Nervensystem einfach nicht mehr herunter. Und dies zeigt sich oft in innerer Unruhe, Aufgewühlt-sein, Gedankenrasen und Nervosität.

In weiteren Gesprächen erzählte sie mir, dass sie gerade eine Phase hat, in der sie gar nicht mehr schlafen kann. Sie sei die ganze Nacht wach und könne sich am nächsten Tag auf nichts mehr konzentrieren. Ihre Frage war: Hört das jemals wieder auf?!?

Meine Antwort als Freundin: Ganz sicher. Aber Du musst dringend etwas tun.

1) Mein allererster Ansatz ist: Es ist jetzt gerade einfach so. Versuch mal, in die vollkommene Akzeptanz zu gehen. Und das bedeutet nicht, dass wir die Situation gutheißen oder uns wünschen. Es bedeutet nur, dass wir für den Moment den Widerstand aufgeben. Gegen die Nervosität. Gegen die innere Unruhe. Gegen das Nicht-schlafen. Es ist jetzt gerade einfach so.  Es ist jetzt gerade so. Es ist jetzt gerade so. Hierbei kann man ein paar ruhige Atemzüge nehmen. Jetzt gerade ist es so, aber das heißt nicht, dass es so bleiben muss. 

Also: Nimm die Situation für den Moment an.

2) Wo können Aufgaben abgegeben werden? Kein Job der Welt ist es wert, dass wir unsere Gesundheit deswegen gefährden. Und ja, das fühlt sich anfangs nicht gut an. Besonders dann, wenn man ein Mensch ist, der es immer allen anderen recht machen will – und eigentlich die Person ist, die DEN ANDEREN die Arbeit abnimmt. Aber damit ist jetzt Schluss. Die Aufgaben MÜSSEN neu verteilt werden. Meine Freundin erzählte mir, dass sie jetzt im Job sogar mehr Unterstützung bekommen hat, als sie anfangs dachte. Die Kollegen waren der Meinung, sie wolle alles alleine machen und haben deswegen keine Hilfe angeboten.

Also: Frag um Hilfe.

3) Ruhe in das Nervensystem bringen: Meine Freundin ist prinzipiell ein recht aktiver Mensch und viel mit ihren Freunden unterwegs. Nachdem ich ihr in unseren Gesprächen die Leviten gelesen hatte, dachte sie, sie dürfe nur mehr zuhause am Meditationskissen sitzen und beruhigende Musik hören. Weit gefehlt! Das Nervensystem lässt sich natürlich über körperorientierte Übungen, Psychotherapie, Meditation, Atemübungen etc. beruhigen, aber: Hauptsächlich geht es eigentlich darum, Dinge zu tun, bei denen man sich pudelwohl fühlt. Denn dabei kommt das Nervensystem auch in die Entspannung. Die Frage meiner Freundin war: Klara, denkst Du, soll ich mich morgen dann überhaupt mit meinen Mädels treffen oder ist das meinem Nervensystem zu viel? Meine Antwort war: Wenn Du Dich dabei wohlfühlst, Dich darauf freust und dort lachst, dann solltest Du da hingehen.

Also: Mach Dinge, bei denen Du Entspannung spürst, die sich ganz leicht anfühlen.

4) Schlafroutinen: Meine Freundin schaut abends eigentlich gerne fern, hat sich das aber selbst verboten, da man ja kurz vor dem Schlafen nicht mehr fernsehen solle, weil das Licht unseren Schlaf störe. Sie würde auf der Couch schon eindösen, schleppe sich dann aber ins Schlafzimmer, weil dort ja die gute Matratze liegt, die so wichtig für den Rücken ist. (Und dort liegt sie dann bis morgens wach und dreht sich von einer auf die andere Seite.) Mein Ansatz, wenn etwas so verfahren ist: Mach etwas komplett anders. Schlaf auf der Couch. Lass den Fernseher an. Zwing Dich zu nichts. Geh nicht mit dem Gedanken ins Bett, schlafen zu MÜSSEN. Es ist so wie es ist. Wobei wir wieder bei der Akzeptanz wären. Und wenn Du schon tagelang gar nicht schläfst, dann lass Dich bitte krankschreiben. Kein Job auf der Welt ist es wert, dass wir unsere Gesundheit gefährden. Kennst Du ja schon von mir.

Also: Ändere Deine Routine, auch wenn es sich komisch anfühlt. Mach es komplett anders als sonst.

Und am nächsten Tag kam eine Nachricht:

“Klara, ich habe durchgeschlafen. 🥳 Ohne innere Unruhe. Danke. 😘😘😘”

Und nein, ich bin kein „Wunderfuzzi“. Ich glaube, die größte Hilfe war, dass ich gesagt hatte: “Ich hatte das auch. Und das hört wieder auf.” Da hörte ich am anderen Ende der Leitung einen erleichterten Seufzer.

Worte bewirken oft so viel. Und können das Nervensystem beruhigen.

Wobei wir wieder dabei wären: Frag um Hilfe. Manchmal bekommen wir Hilfe von Menschen, von denen wir es gar nicht erwarten.

Wir schaffen das. 💚

Deine Klara